"Was sollen wir mit all den Hühnern, Kühen und Schweinen machen, wenn wir Vegetarier werden ?"
Es ist sehr unrealistisch anzunehmen, daß alle Menschen über Nacht aufhören, Tiere zu essen. So wird die Zahl der gezüchteten Tiere in dem Maße abnehmen wie die Nachfrage nach Fleisch nachläßt.
Die Bauern werden aufhören, so viele Tiere durch künstliche Befruchtung nachzuproduzieren, und sich stattdessen auf andere Bereiche des Landbaus konzentrieren. Und gibt es erst einmal weniger Tiere, können diese auch wieder natürlicher leben als es heute in der Massentierhaltung der Fall ist.
"Tiere, die in Labors oder in der Massentierhaltung in Käfigen leben, leiden nicht so sehr, weil sie ja nie etwas anderes kennengelernt haben."
An der Ausübung der grundlegendsten, instinktiven Verhaltensmuster gehindert zu werden, verursacht erhebliches Leiden.
Auch Tiere, die seit ihrer Geburt in Käfigen gehalten wurden und nichts anderes kennen, verspüren den Drang umherzulaufen, sich zu putzen, die Beine oder Flügel auszustrecken und sich zu bewegen.
Herdentiere und Tiere, die in Gruppen leben, leiden sehr darunter, wenn sie entweder zur Isolation oder zu einem Leben in einer zu großen, für sie unüberschaubaren Gruppe gezwungen werden.
Und natürlich bedeutet auch das Eingepferchtsein für die Tiere äußerste Langeweile, was bei vielen von ihnen zur Selbstverstümmelung und zu anderen selbstzerstörerischen Handlungen führt.
"Vegetarier zu werden, ist eine persönliche Entscheidung. Warum versuchen, andere dazu zu überreden?"
Ethisch gesehen, sind Handlungen, die andere schädigen, keinesfalls eine Frage der persönlichen Entscheidung. Mord, Kindesmißbrauch und Tierquälerei sind anerkanntermaßen unmoralisch. Daß unsere heutige Gesellschaft den Fleischverzehr fördert und damit die Grausamkeiten der Massentierhaltung in Kauf nimmt, ist geschichtlich im gleichen Licht zu sehen wie das einstige Gutheißen und Unterstützen der Sklaverei, der Kinderarbeit und vieler anderer Praktiken, die heute durchweg als unmoralsich und daher falsch abgelehnt werden.
"Wo soll man die Grenze ziehen? Wie steht's mit den Pflanzen?"
Es gibt derzeit keinen vernünftigen Grund anzunehmen, daß Pflanzen Schmerzen empfinden. Ihnen fehlt ein zentrales Nervensystem, und sie haben keine Nervenenden oder ein Gehirn. Die Theorie besagt, der Hauptgrund dafür, daß Tiere ein Schmerzempfinden hätten, läge in einer Art Selbstschutz. Wenn man etwas berührt, das Schmerzen verursacht und einen möglicherweise verletzt, lernt man aus dem Schmerz, dieses Etwas künfitg zu meiden. Da sich Pflanzen jedoch nicht bewegen können und daher auch für sie keine Notwendigkeit besteht zu lernen, bestimmte Dinge zu meiden, wäre diese Fähigkeit überflüssig und entwicklungsgeschichtlich unlogisch. Im übrigen rechtfertigt die Frage darüber, ob Pflanzen Schmerz empfinden können oder nicht, in keinster Weise, daß wir Tieren wie Hunden, Kühen, Ratten, Hühnern und all den anderen Schmerz und Leid zufügen, von denen wir ganz sicher und aus Erfahrung wissen, daß sie extrem leidensfähig sind.
"Wenn jeder dazu übergeht, Gemüse und Getreide zu essen, wird es dann überhaupt noch genug zu essen geben ?"
Es wird soviel des produzierten Getreides an die Tiere verfüttert, um sie für den Fleischverzehr zu mästen, daß es - wenn wir alle Vegetarier würden - genug Nahrung für alle Menschen auf dieser Erde gäbe. Alleine in den USA werden 80 Prozent des Maisertrages und mehr als 95 Prozent des Hafers an Tiere verfüttert. Alleine die Rinderherden auf dieser Erde verzehren eine Nahrungsmittelmenge, die dem Kalorienbedarf von 8,7 Milliarden Menschen entspricht - und das ist mehr als die gesamte menschliche Weltbevölkerung !
"Wie steht's mit all den Sitten und Gebräuchen und den Jobs, die von der Tiernutzung abhängen?"
Die Erfindung des Autos, die Abschaffung der Sklaverei und die Beendigung des zweiten Weltkrieges haben ebenfalls Umschulungen und Umstrukturierungen der Arbeitsplätze mit sich gebracht. Das ist Bestandteil jeden sozialen Fortschritts, keinesfalls aber ein Grund, den Fortschritt aufzuhalten.
"Was ist daran verkehrt, Milch zu trinken? Müssen Milchkühe denn nicht gemolken werden?"
Damit eine Kuh Milch produziert, muß sie kalben. "Milchkühe" werden daher Jahr für Jahr praktisch ausschließlich künstlich inseminiert, damit sie immer wieder Nachwuchs bekommen und Milch geben. Die Natur hat Kühe durchaus nicht so konzipiert, daß sie eine "Extra-Portion Milch" geben, die für den Mensche gedacht wäre. Aber entgegen dem, was richtig und natürlich wäre, werden die Kälbchen ihrer Mutter bereits ein oder zwei Tage nach der Geburt weggenommen, damit sie die Milch nicht "wegtrinken". Handelt es sich bei dem Kälbchen um ein weibliches Tiere, wird es entweder sofort geschlachtet oder aufgezogen, um eine neue "Milchkuh" zu werden. Männliche Kälbchen werden oft, unter größtem Streß und Angst, in Massentransporten in Länder (z.B. Frankreich) gebracht, wo es noch erlaubt ist, sie in winzigen Boxen 16 Wochen lang von einer eisenarmen Brühe zu ernähren, um ein möglichst "weißes", also blutarmes Kalbfleisch zu erhalten, das dann z.T. wieder auf unseren Ladentheken landet. Ein "Überschuß" an Kälbchen (im Alter unter 14 Tagen) wird derzeit immer noch gegen eine "Herodesprämie" nach Frankreich gebracht, nur um dort auf lukrative Weise getötet zu werden.
Die - nicht zuletzt durch die Werbung hoch gehaltene - Nachfrage nach Milchprodukten führt dazu, daß immer mehr Gentechnik und Wachstumshormone eingesetz werden, um den Milchertrag pro Kuh ins Gigantische zu steigern. Und selbst die wenigen Ökobauern, die auf eine Massentierhaltung verzichten, entledigen sich oft "überflüssiger" Kälbchen und schlachten deren Mütter, die nicht mehr "wirtschaftlich" sind, also nicht mehr die erwartete Menge Milch geben.
"Tiere diskutieren nicht, kennen keine Rechte und respektieren auch nicht immer unsere Rechte. Warum sollten wir da unsere Moralvorstellungen auf sie übertragen ?"
Die Unfähigkeit der Tiere, unsere Regeln zu verstehen und sich an sie zu halten, ist genauso wenig von Bedeutung wie es bei einem Kind oder einer geistig behinderten Person der Fall ist.
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